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TU_Azubi

Chemielaborantin


Linda berichtetüber einen Tag in der Ausbildung zur Chemielaborantin bei der Technische Universität Dortmund

07:30 Uhr Arbeitsbeginn. Ich treffe mich mit den anderen Mitarbeitern im Pausenraum und wir besprechen kurz, was den Tag über zu tun ist. Eine Kollegin sagt, dass heute ICP-Proben gemacht werden müssen, das machen wir später. Zunächst gehe ich durch die Labore und gucke, ob alles in Ordnung ist und alle täglich benötigten Chemikalien aufgefüllt sind. Dann befülle ich die Aceton-Redestillationsanlage, in der wir z.B. zum Ausspülen von Glasgeräten benutztes Aceton destillieren und es so noch einmal benutzen können.
08:00 Uhr Kommt einer der Assistenten (Assistenten sind an der Uni die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die für den Professor des Lehrstuhls forschen und z.B. ihre Doktorarbeit schreiben.) zu mir und bittet mich, einen Versuch für ihn durchzuführen. Er erklärt mir worum es geht und hat mir auch eine kleine Versuchsanleitung geschrieben, in der ich alles noch einmal nachlesen kann. Der Assistent möchte eine bestimmte Kombination von zwei Flüssigkeiten finden, die bei geringer Temperatur getrennt sind (also wie Wasser und Öl), aber bei höherer Temperatur mischbar sind. Dazu kommt später noch ein Katalysator, der sich nur in einer der Phasen lösen soll.

Unumgänglich in einem Chemielabor ist wiegen und messen. Ich wiege verschiedene Kombinationen der Flüssigkeiten in verschiedenen Gläschen ab und erhitze sie kontrolliert in einem Wasserbad. Dabei beobachte ich immer genau, ob sich die Phasen schon mischen. Die Ergebnisse schreibe ich natürlich auf, denn auch wenn eine Kombination nicht erfolgreich war, ist das eine wichtige Information für weitere Versuche.

Und tatsächlich, eine der Flüssigkeitskombinationen funktioniert! Wie sich später herausstellen wird, löst sich der Katalysator nicht. Rom ist eben auch nicht an einem Tag gebaut worden!
12:00 Uhr Uhr mache ich meine Mittagspause. Manchmal laufe ich auf dem Campus oder in der Mensa anderen Chemielaboranten-Azubis über den Weg. Sie sind zur Zeit in anderen Lehrstühlen und bei den vielen Studenten die hier herumlaufen findet man sich nicht so leicht
12:30 Uhr Die Aceton-Destillation muss wieder nachgefüllt werden - das ist schnell erledigt. Jetzt müssen die ICP-Proben eingewogen werden. Die ICP (inductive coupled plasma) ist eine der vielen Analysemethoden in der Chemie; dieses Gerät misst massenspektroskopisch winzige Spuren von Metallen in einer Lösung.
Die Waage, auf der ich die Proben wiegen muss, wiegt auf 0,1 mg genau. Zum Glück muss ich nur auf etwa 100 mg genau einwiegen, muss aber darauf achten, den Wert exakt aufzuschreiben. Nach dem Wiegen werden die Proben „aufgeschlossen“, das heißt, man versetzt sie mit starker Säure, verschließt sie in kleinen Druckgefäßen und stellt sie für eine gewisse Zeit in eine Labor-Mikrowelle. So werden die enthaltenen Stoffe in Bestandteile zerlegt, die das ICP-Gerät messen kann.
14:00 Uhr In der Zwischenzeit helfe ich einer Assistentin, ihre Stahl-Druckreaktoren zu reinigen und anschließend „auszuheizen“. Mit einer Vakuumpumpe evakuiere ich dazu die Reaktoren und erhitze sie von außen mit einem Heißluftföhn. Anschließend gebe ich durch ein Ventil Schutzgas in die Apparatur. Durch den ganzen Prozess wird die Anlage völlig von Feuchtigkeit befreit, denn manche Experimente funktionieren schon durch die Anwesenheit von normaler Luftfeuchtigkeit nicht mehr.
15:15 Uhr Nachdem die ICP-Proben lange genug in der Mikrowelle waren, warte ich noch kurze Zeit, bis sie etwas abgekühlt sind - dann muss ich sie öffnen. Das mache ich unter dem Abzug und mit Handschuhen, denn es kann sein, dass durch die entstehenden, giftigen Gase Druck auf den Gefäßen ist. Bevor die Proben gemessen werden können, müssen sie mit einer weiteren Chemikalie versetzt werden und über Nacht stehen bleiben.

Um kurz vor vier schließe ich meine Arbeiten ab und gehe noch einmal durch die Labore, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Um 16.00 Uhr ist dann Feierabend!